Veranstaltungsdetail

Geschichts- und Politikunterricht vom Kaiserreich bis heute. Ein Bild seiner Zeit?

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Findet Statt

Beschreibung

Der Geschichts- und Politikunterricht in der Schule war stets auch ein Bild seiner Zeit. Denn die Frage, welche fachlichen Inhalte überhaupt relevant waren und unterrichtet werden sollten, war eine, die in der jeweiligen Gegenwart politisch entschieden wurde. Dabei galt es beispielsweise zu überlegen, ob man staatspolitisch relevante Inhalte über die kulturpolitischen Entwicklungen stellen sollte, oder ob diese gleichgestellt nebeneinander im Unterricht behandelt werden sollten. Dass der Fokus auf der Entwicklung in Deutschland lag war hingegen deutlich weniger umstritten. Neben der Frage des „Was“ war selbstverständlich auch die Frage des „Wie“ eine ebenso heiß diskutierte wie im Verlaufe der Zeit sehr verschieden beantwortete und changierte oft zwischen den Extremen des „Lehrervortrags“ und des „Arbeitsunterrichts“.
Das Seminar will auf Basis der relevanten gesetzlichen Vorschriften und der Lehrpläne rekonstruieren, welche inhaltlichen und didaktischen Vorgaben für den Unterricht in den beiden Fächern jeweils bestanden und die Ergebnisse für die verschiedenen Untersuchungszeiträume dann vergleichen. Dass hierbei sowohl der Geschichts- und auch der Politikunterricht betrachtet werden soll, liegt nicht zuletzt daran, dass der Politikunterricht allmählich aus dem Geschichtsunterricht erwuchs und nicht von Anfang an ein eigenes Curriculum hatte.
Im zweiten Schritt soll dann anhand von Schulbüchern aus jeder Zeit überprüft werden, wie sich die Vorgaben in ihnen niederschlugen. So ist es wenig verwunderlich, dass beispielsweise die Revolution von 1848 oder die Entwicklung der Arbeiterbewegung in der Zeit des Kaiserreichs anders unterrichtet wurde, als dies beispielsweise in der Weimarer Republik, der NS-Zeit oder in der DDR der Fall war. Nur in Ansätzen ist es auf der Basis der Forschungs- und Erinnerungsliteratur sowie von inzwischen historischen Fachzeitschriften für Lehrerkräfte möglich, die konkrete Unterrichtssituation zu rekonstruieren – aber diese Ansätze immerhin gibt es. Auch sie sollen zur Sprache kommen. Denn die Frage, ob und inwieweit für die Lehrkräfte zu den jeweiligen Zeiten Möglichkeiten bestanden, sich „Freiräume“ innerhalb der Vorgaben zu schaffen, kann auf der Basis des Materials diskutiert werden.
Mit diesem Vorgehen ist es möglich, die Vorgaben, Materialien und in Ansätzen die Durchführung des Unterrichts in Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Zeit, DDR und Bundesrepublik zu vergleichen, um so Unterschiede ebenso wie Konstanten des Geschichts- und Politikunterrichts aufzuzeigen und zu diskutieren. Die solchermaßen erzielten Ergebnisse können einerseits dazu dienen, den aktuellen Unterricht, sich selbst und seine Rolle als Lehrkraft zu reflektieren. Sie können darüber hinaus aber auch dazu dienen, mit den im Seminar besprochenen Materialien als Quellen selbst Unterricht zu machen. Denn neben der theoretischen Erschließung soll die praktische Umsetzung der erzielten Erkenntnisse im Unterricht der zweite Teil des Seminars sein.
Für das Seminar wird von mir ein Reader zusammengestellt, der die für die Arbeit notwendigen Gesetzestexte, die Fachliteratur, die hist. Fachliteratur, die Erinnerungsliteratur sowie die entsprechenden Kapitel aus den Schulbüchern parat hat. Er kann anschließend als wissenschaftliche Material- und Quellenbasis für den eigenen Unterricht dienen. Der Preis des Readers wird voraussichtlich zwischen 7 und 10 Euro betragen. Er ist von den Teilnehmern im Seminar zu entrichten. Der genaue Betrag wird vor Beginn des Seminars mitgeteilt, sobald klar ist, welche Texte konkret im Reader sein werden.
Es wäre für die weitere Planung sehr hilfreich, wenn die Kolleginnen und Kollegen bei der Anmeldung dem ILF mitteilen könnten, welches Fach – ob Geschichte oder Politik – sie unterrichten. Denn je nach Zusammensetzung der Teilnehmenden kann in der Vorbereitung dann der Fokus noch entsprechend ausgerichtet und das Material im jeweiligen Fach „verdichtet“ werden.

Lehrerinnen und Lehrer
Integrierte Gesamtschule Gymnasium Realschule plus Berusbildende Schule
Sonstige
DDR; Sek I; Sek II
nein

Organisation

Fortbildung
Dr. Christian Manuel Könne
ILF - Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung , Saarstraße 1, 55122 Mainz
Mainz
Kurs (mehrtägig)
Dr. Jürgen Kost
Erbacher Hof, Bildungszentrum d. Diözese Mainz
Grebenstraße 24-26
55116 Mainz
22.05.2017
09:30 - 18:00 Uhr
23.05.2017
09:00 Uhr - 16:30

Anmeldung

Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung Mainz
landesweit