Ausgangspunkt dieser Präsenz-Fortbildung in Bad Kreuznach ist der Roman "Tod oder Taufe – Die Kreuzfahrer am Rhein" von Jakob Matthiessen. Dieser greift die Verfolgungen der jüdischen Gemeinden in den SchUM-Städten Speyer, Worms und Mainz im Jahre 1096 auf und macht die Grauen und die für das jüdisch-christliche Verhältnis so prägenden Ereignisse anhand von Einzelschicksalen für den Leser erfahrbar. Ebenso werden die theologische Begründung der Verfolgung auf Seiten der Kreuzfahrer und die Reaktionen in den unterschiedlichen christlichen und jüdischen Fraktionen darauf aufgegriffen.
Wenngleich der Roman als Klassenlektüre zu umfangreich ist, so sind doch einzelne Szenen geeignet, Einblicke in antisemitisches Denken, konkrete Entscheidungen einzelner Menschen und gesellschaftliche Entwicklungen exemplarisch aufzuzeigen. Die Verknüpfung zu Rheinland-Pfalz bietet der regionale Bezug. "Jerusalem am Rhein"- so werden die SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz auch genannt. Erst kürzlich erfolgte die Anerkennung als UNESCO-Welterbe. Die Fortbildung verfolgt das Ziel, den primären Antisemitismus im Mittelalter darzustellen, um die Motive der Gegenwart wiederzuerkennen und entsprechend vorzubeugen. Bilder des Mittelalters stehen neben Bildern des Nationalsozialismus und des aktuellen Konflikts in Gaza. Dem Referententeam ist es wichtig, sich in einem geschützten Raum miteinander über Möglichkeiten der Einbindung in den Unterricht auszutauschen. Mögliche Fragestellungen können sein:
- Wie wurden im Mittelalter antisemitische Argumente theologisch begründet und wie können wir diese Argumentationsmuster in heutigen nationalistischen und rechten Diskursen erkennen und entkräften?
- Welche Parallelen gibt es zwischen den Einzelschicksalen im Roman und aktuellen Fällen von Diskriminierung oder Verfolgung, die durch nationalistisches Gedankengut motiviert sind?
- Wie kann die Geschichte der SchUM-Städte genutzt werden, um die historische Kontinuität von Antisemitismus und die Gefahr von rechten Ideologien in unserer Region zu verdeutlichen?
- Wie wurden im Roman antisemitische Stereotypen durch Propaganda verbreitet, und welche modernen Beispiele von rechter Propaganda kennen wir heute, die ähnliche Mechanismen nutzen?
- Welche individuellen Entscheidungen der Charaktere im Roman können als Beispiele dienen, um Schüler*innen zu ermutigen, aktuelle rechte und nationalistische Entscheidungen kritisch zu hinterfragen und sich aktiv dagegen zu positionieren?
- Wie können die Darstellungen von Religiosität im Mittelalter, während des Nationalsozialismus und im aktuellen Gaza-Konflikt verglichen werden, um Schüler für die wiederkehrenden Muster antisemitischer- rassistischer-diskreminierender Bildsprache zu sensibilisieren?
- Welche Lektionen über die Bedeutung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit können wir aus den im Roman beschriebenen Ereignissen ziehen, um der Verbreitung von nationalistischem Gedankengut entgegenzuwirken?
- Wie können spezifische Szenen aus dem Roman genutzt werden, um Empathie für die Opfer von Antisemitismus und rechter Gewalt zu entwickeln und Schüler zu ermutigen, sich aktiv gegen solche Ideologien zu stellen?
- Welche Parallelen gibt es zwischen der Verbreitung antisemitischer Ideen im Mittelalter und der Verbreitung von Fake News und rechtsextremen Ideologien in sozialen Medien heute, und wie können wir Schüler darin schulen, diese kritisch zu hinterfragen?
- Wie können Schüler durch Projektarbeit, die historische und aktuelle antisemitische und rechte Ideologien vergleicht, dazu angeregt werden, eigene Standpunkte zu entwickeln und sich aktiv gegen diese Ideologien zu engagieren?
HINWEIS: Dieser Präsenz-Fortbildung ist eine einführende E-Session am 8. September vorangestellt (PL-Nr. 2514438009). Der Besuch beider Veranstaltungen ist jedoch nicht zwingend.
Stichworte
Demokratie, Demokratiebildung, Antisemitismus, Extremismus, Prävention, Theologie, Religion, Ethik, Deutsch, Gesellschaftswissenschaften, Sozialkunde, Geschichte, Erdkunde, Gedenkarbeit